Worin liegt das Problem, wenn dich deine Familie nach fünfzehn Jahren verläßt? Ich meine nicht böswillig und lediglich vorübergehend, also eigentlich nur für ein paar Tage. Kein Drama, nein, Urlaub und Kur und so. Aber immerhin. Für einige Zeit keine Kinder, keine Frau, Haustiere gibt's nicht und die Pflanzen schweigen und neigen verschlossen das Haupt. Wo ist das Problem, fragst du? Einsamkeit? Ach was, ein bis drei Wochen ist das auszuhalten, selbst für einen Wattwurm, der sich kaum von der Stelle bewegt. Nein, keine Einsamkeit. Aber ich will dich nicht aufhalten und mach es kurz und sag nur ein Wort. Hör zu: Kühlschrank. Kein vertun, es ist der Kühlschrank. Der Kühlschrank offenbart die ganze Trostlosigkeit des vorübergehenden Alleinseins. Erst musst du achtlos hinterlassene Reste essen, die du nicht essen würdest, wenn der Rest der Familie anwesend wäre. Und dann, wenn die letzte Tomate anfängt zu leben und du sie endlich dem Kompost übergeben hast, dann stellst du fest: nix mehr drin in diesem riesen Kühlcontainer. Ich sag mal, Eiswüste. Und dann: bricht das Eis und du versinkst, rufst um Hilfe und keiner kommt, rettest dich mit letzter Kraft an Land, sackst völlig erschöpft zusammen und erfrierst - mit einem letzten, leeren Blick in die Einöde deines Kühlschranks.
Watt'n Elend
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