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Dienstag, 9. Februar 2010

Eisbären im Watt?

Bernsen hat sich mitten in der Nacht auf die Socken gemacht - wirklich, er ist auf Socken zum Strand gerannt. Nee, stimmt nicht ganz, weil es überall so eisig war wollte er sich seine alten Schlittschuhe unterschnallen. Also diese Schlittschuhe nur ohne Schuhe. Nein, kein Schlitten, quasi nur die Kufen, die man sich unter irgendwelche Schuhe schnallt. Aber einfach so unter die Socken, das hat dann selbst beim Bernsen nicht funktioniert ... egal. Fakt ist, Bernsen ist mitten in der Nacht am Strand gewesen und hat Ausschau gehalten, stundenlang. Stocksteif hat er am Strand in seinen Socken gestanden und auf das eisige Meer gestarrt. Erst freiwillig, dann gezwungenermaßen, quasi schockgefroren. Das fand er dann auch nicht so toll. Muss man sich aber auch mal vorstellen: Da stehst du über Stunden mit dem Fernglas vor den Augen und wagst es nicht, die Arme sinken zu lassen. Es könnte ja sein, dass du just in diesem Moment was Entscheidendes verpasst. Und dann willst du die Arme doch noch runternehmen, die Muskulatur soll ja locker bleiben - aber nichts da, funktioniert nicht nicht mehr. Die Arme bleiben oben. Als ob der Frost ihn mit der Knarre bedrohen würde. Inneres Ruckeln, Pressen, Anstrengen - nützt alles nichts. Bernsen war zur Statue mutiert. Aber nicht dass du jetzt die Statue mit einem Denkmal verwechselst. Weil der Bernsen war halt trotz allem immer noch kein Held.

Aber was hat den Bernsen erst so auf Trab gebracht und das mitten in der Nacht? Pass auf. Im Internet hat er eine Nachricht gelesen. Diese Nachricht hat ihm die Augen dermaßen aufgesperrt, dass er sie nicht mehr zu bekommen hat, quasi Vorankündigung für spätere ganzkörperliche Erstarrung: Eisbären im Watt. Konsequenz für Bernsen: an Schlaf war nicht mal mehr zu denken. Also ist er raus an den Strand. Nachsehen ob's stimmt. Ob er Eisbären gesehen hat? Weiß keiner so genau. Bislang ist der Bernsen noch tiefgefroren. Sie tauen ihn gerade auf, dauert aber noch. Das Fernglas haben sie ihm allerdings nur, sagen wir, auf Biegen und Brechen entreissen können. Die Hände hält er aber immer noch so komisch vor die Augen. Kann man sich aber doch echt kaum vorstellen, brauchst doch nur mal rausgucken. Verstanden hat das hier keiner. Man muss schon Bernsen heißen, wenn man mitten in der Nacht und bei so einem Wetter ... Eisbär hin oder her ....
Watt'n Eis

Montag, 25. Januar 2010

Frost schlägt weiter zu ...

Bernsen sollte sich jetzt wirklich mal was einfallen lassen:

Eispanzer auf Küstengewässern wächst ... hier

Eisgang in der Nordsee ... da

 

Donnerstag, 21. Januar 2010

Mord im Watt

Bernsen stand regungslos am Strand und starrte ins Nichts. Nicht das da nichts gewesen wäre, im Gegenteil, aber Bernsen hatte gerade so viel gesehen, dass er schon wieder nichts mehr sehen konnte - oder wollte, das weiß man bei Bernsen ja nie so genau, ob er was absichtlich macht oder eben nicht. Aber jetzt stand er am Strand wie der Förster im Wald, der vor lauter Bäumen auch nicht mehr sieht wo er eigentlich ist. Für den Förster mag das kein großes Problem sein, früher oder später wird der Wald Baum für Baum gefällt und dann hat er wieder freie Sicht. Bernsen aber hatte gerade ein mächtiges Problem. So mächtig, da kann man getrost sagen: das Grauen hatte ihn gepackt. Und das Schlimmste: das Grauen würde ihn sicher nicht so schnell wieder loslassen, so hat der Bernsen ins Nichts gestarrt. Du denkst jetzt vielleicht, der stand einfach im Nebel und hat die Orientierung verloren und irgendwie ist es doch gerade um uns alle herum ziemlich Grau, also was soll's. Aber nichts da, bei dem Bernsen war das anders. Das Grauen hatte ihn gepackt und erstarren lassen. Quasi tiefgefroren. Was ja in diesen Tagen auch wieder nicht verwunderlich wäre, zugegeben. Aber innerlich da bebte, brodelte es in dem Mann - und wie. Unter seiner Schädeldecke begann ein Entschluss zu reifen, da schwollen die Synapsen an und verdichteten sich zu einem einzigen Gedanken: Rache. Diesmal würde er nicht eher ruhen, bis er den Mörder seiner Freunde gefunden hatte, dieses mal nicht; er würde ihn jagen und treiben und wenn es sein mußte bis ans Ende der Welt. Der heimtückische Schlächter mochte fliehen so weit er wollte, sich in den Norden verziehen, wie schon so oft, egal, Bernsen würde ihm selbst bis ins Packeis folgen. Dort würde er ihn stellen und dann würde er mit dem Frost abrechnen, endgültig.

Watt'n Krimi

Mehr zum Thema Mord im Watt: hier lang ...

Mittwoch, 25. November 2009

Im Watt sind alle gleich

Bernsen hat sich gefreut heute. Wirklich. Nicht dass er sich jetzt vor Freude auf die Schenkel geklopft oder sich auf dem Boden gekugelt hätte. So weit geht das bei Bernsen jetzt auch wieder nicht mit der Freude. Aber so ein bisschen zufrieden gelächelt hat er, sagen wir kleine Freude. Und so eine Freude, die lässt er dann ja auch raus, da kennt der nix. Warum jetzt hat der Bernsen sich deart gefreut? Pass auf: Seine Bank hat ihm fünf Cent geschenkt. Als Grund für das Geschenk, stand 'Habenzinsen' auf dem Papier. Das war aber noch nicht der Grund warum der Bernsen sich gefreut hat, obwohl, es kommt ja nicht so oft vor, dass einem die Bank was schenkt. Und eigentlich waren es sogar sieben Cent, zwei Cent haben sie ihm aber gleich wieder abgezogen. Wegen der 'Kapitalertragssteuer'. Das Wort stand direkt unter dem Wort 'Habenzinsen'. Und vor dem Wort 'Habenzinsen' stand noch nullkommazweifünfnull Prozent. Vor dem Wort 'Kapitalertragssteuer' hätte jetzt eigentlich dreissig Prozent stehen müssen. Hat aber nicht. Und weil Bernsen niemandem so recht über den Weg traut, hat er sich gleich den Taschenrechner geschnappt und nachgerechnet. Und über das Ergebnis, darüber hat er sich dann gefreut. Denn eigentlich und genaugenommen, hat Bernsen ausgerechnet, wären es ja zweikommaeins Cent gewesen, die sie ihm hätten abziehen müssen, aber da hat der Staat wohl ein Auge zugekniffen und auf die nullkommaeins Cent verzichtet und auf den Solidaritätszuschlag gleich auch noch. Dann hat er das in Euro umgerechnet und ist auf sagenhafte nullkommanullnulleins Euro gekommen, die der Staat ihm geschenkt hat. Das hat dem Bernsen dann gut getan, diese Form der Solidarität und der Gleichbehandlung ... und dass der Staat Menschen wie dem Bernsen auch mal was gönnt ... richtig gerührt war der Bernsen, das will ich jetzt mal gar nicht weiter ausführen.

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Willkommen im Packeis

Die "Süddeutsche", eine tolle Zeitung - inhaltlich.
Aber: Die SZ landet immer seltener in meinem Briefkasten. Das kann mal vorkommen, kein Problem. Man muss sich ja auch nicht immer gleich beschweren. Da geht man dann eben zum Kiosk mit ein, zwei Euro in der Tasche oder seinem Gutscheinheft, dass einem vor Urzeiten mal ein freundlicher Mitarbeiter der SZ zugeschickt hat, und holt sich seine geliebte Tageslektüre. Kein Thema, das hat man nach zehn Minuten wieder vergessen.

Dann aber steh ich immer häufiger vor der leeren Zeitungsrolle, die Gutscheine sind aufgebraucht, die Euros sitzen plötzlich nicht mehr so locker und nach ein paar weiteren SZ-freien Tagen komme ich ins Grübeln. Also doch mal in der Abo-Abteilung anrufen? Immerhin: Inzwischen kosten die Anrufe auch bei der SZ 14 Cent pro Minute. Egal. Der groovende Bass in der Warteschleife hat Stil, da merkt man gleich: hier bist du nicht bei irgendeiner Versicherung gelandet, hier ist anders. Irgendwann nimmt eine Mitarbeiterin ab, bedauert mich und verspricht Besserung. Dann gibt sie mir noch den Tipp, meine nächste Beschwerde doch online über die Rubrik "Abo & Service" abzuwickeln, das wäre dann immerhin kostenfrei. Super Tipp. Mach ich dann auch gleich in der folgenden Woche. Ich logge mich ein und stelle fest: ich habe drei Möglichkeiten des Ausgleichs. Erste Möglichkeit: Ich möchte, dass die Zeitung pünktlich kommt. Klar möchte ich das, also klick auf den Button. Zweite Möglichkeit: Ich möchte die nicht erhaltene Zeitung erstattet bekommen. Klar, wieso sollte ich für etwas bezahlen, was ich nicht bekommen habe. Also klick auf den Button. Dritte Möglichkeit: Nachschicken. Ist mir aber zu alt, also kein Klick. Jetzt aber. Die erste Möglichkeit ist plötzlich wieder gelöscht. Klick ich wieder auf die erste ist die zweite Variante weg und so weiter immer hin und her. Da kann man klicken bis die Maus aufjault, es hilft nichts: Wenn ich als Abonnent die SZ nicht bekommen habe, muss ich mich entscheiden: Geld oder pünktlich oder morgen die Zeitung von gestern. Zusammen geht nicht. Ich bemerke ein leichtes Zucken im linken Augenlid und klicke auf "erstatten".

Drei weitere nicht erhaltene Zeitungen später. Wieder ein Anruf in der Abo-Abteilung - dieser Groove ... Die Mitarbeiterin ist ehrlich empört, wie man mir so was antun kann, ich armer, und schon so oft, sie sieht das ja auf ihrem Monitor und sie trägt es ein und sagt's sofort einer Sachbearbeiterin und die wird mir dann zumindest wieder so ein Gutscheinheft schicken, weil das kann sie nicht entscheiden, danke und einen schönen Tag noch.
Jetzt, nicht dass ich auf den Anruf gewartet hätte, aber ich habe mir dann schon Sorgen gemacht um die Sachbearbeiterin. Wahrscheinlich hat sie Schweinegrippe und da habe ich dann schon Verständnis, dass sie nicht anruft. Und es gibt ja auch noch den Kiosk.

Nächster Tag, wieder keine Zeitung. Und nebenbei: Die Stimmung beim Frühstück war im Eimer. Ich also ran an den Rechner, rein ins Netz, SZ aufgerufen, klick auf "erstatten", bis die Maus quietscht, und dann noch klick auf Kontakt. Jetzt schreib ich mal, wie ich das finde. Auch hier habe ich wieder die Möglichkeit der Themenwahl - die SZ hilft ja gerne und nimmt dem Kunden das Denken ab wo sie kann - das Thema "Beschwerde" ist allerdings nicht vorgesehen. Egal. Ich schreibe also fleißig und nach etwa gefühlten reichlichen Minuten klicke ich beschwingt auf "senden". Wunderbar, ich habe meinem Frust Luft gemacht und werde heute voraussichtlich doch nicht an einem Herzinfarkt sterben. Erleichtert will ich mich gerade meiner Arbeit widmen, da schickt mir das System der SZ eine Meldung auf den Bildschirm: Kein "Danke für Ihre Mail" oder ähnliches, sondern: "Es trat ein Fehler im System auf. Wir konnten Ihre Eingabe leider nicht bearbeiten. Bitte versuchen Sie es später noch mal." Oder so ähnlich.

Mein Augenarzt sagt immer, ich soll nicht so viel starren, sondern öfter blinzeln, wenn ich am PC sitze, die Augen trocknen sonst aus. Ich werde also in die Apotheke gehen müssen und mir Augentropfen holen. Auf dem Rückweg komme ich an einem Kiosk vorbei, da werde ich mir die FAZ kaufen. Der Mensch braucht ja mal Abwechslung.
Watt'n Text

Montag, 5. Oktober 2009

Eiswüste

Worin liegt das Problem, wenn dich deine Familie nach fünfzehn Jahren verläßt? Ich meine nicht böswillig und lediglich vorübergehend, also eigentlich nur für ein paar Tage. Kein Drama, nein, Urlaub und Kur und so. Aber immerhin. Für einige Zeit keine Kinder, keine Frau, Haustiere gibt's nicht und die Pflanzen schweigen und neigen verschlossen das Haupt. Wo ist das Problem, fragst du? Einsamkeit? Ach was, ein bis drei Wochen ist das auszuhalten, selbst für einen Wattwurm, der sich kaum von der Stelle bewegt. Nein, keine Einsamkeit. Aber ich will dich nicht aufhalten und mach es kurz und sag nur ein Wort. Hör zu: Kühlschrank. Kein vertun, es ist der Kühlschrank. Der Kühlschrank offenbart die ganze Trostlosigkeit des vorübergehenden Alleinseins. Erst musst du achtlos hinterlassene Reste essen, die du nicht essen würdest, wenn der Rest der Familie anwesend wäre. Und dann, wenn die letzte Tomate anfängt zu leben und du sie endlich dem Kompost übergeben hast, dann stellst du fest: nix mehr drin in diesem riesen Kühlcontainer. Ich sag mal, Eiswüste. Und dann: bricht das Eis und du versinkst, rufst um Hilfe und keiner kommt, rettest dich mit letzter Kraft an Land, sackst völlig erschöpft zusammen und erfrierst - mit einem letzten, leeren Blick in die Einöde deines Kühlschranks.
Watt'n Elend